~Ninpo

Die Kunst der Ninja
Historischer Rückblick

Einer der am meisten gefürchteten und gleichzeitig bewunderten Gestalten des alten Japan ist neben dem Samurai der Ninja.  Jener geheimnisvolle, sagenumwobene Schattenkrieger, der wo immer er auftauchte, Angst und Schrecken und manchmal den Tod zurückließ.
Die Kunst des Ninjutsu blickt auf eine mehr als tausendjährige Vergangenheit zurück.  Selbst in Japan gibt es sehr wenig Literatur über die Ninja und Ihre geheimnisvolle Kunst des Ninjutsu.  Die Lehren des Systems werden ausschließlich von einigen wenigen Meistern bewacht, die als einzige befähigt sind das Erbe der Ninja Krieger weiter zureichen.
Die Geschichte dieser Kunst ist eng mit der Nation verflochten, in der sie entstand. Vor Jahrhunderten lebten in den bewaldeten Gebirgsregionen im Süden Zentraljapans eine Reihe von Großfamilien, die sich der Suche nach Erleuchtung mit Hilfe des praktischen Mystizismus verschrieben hatten.  Das Kernstück dieser Lehre stammte aus China, doch die eigentlichen Ursprünge sind in den tantrischen Lehren aus dem fernen Tibet zu suchen. Diese Mystiker untersuchten die natürlichen Zusammenhänge der Dinge, um daraus ihre eigene Rolle in der Welt und im Kosmos abzuleiten.  Das Ziel ihrer Philosophie war die Erleuchtung des Einzelnen, das Erreichen eines kosmischen Bewußtseins und das Vermögen, innerhalb dieses allumfassenden Schemas zu wirken.  Natürlich neigt totale Erleuchtung dazu, auf Unstimmigkeiten und Zwiespälte hinzuweisen, welche in einer normalen Weltauffassung bestehen und es kommt nicht selten vor, das Erleuchtete falsch verstanden oder gar von Außenstehenden gefürchtet werden.  Aus diesem Grund mußten die Mystikerfamilien Überlebenstraining als notwendigen Teil ihrer persönlichen Entwicklung betrachten. Ninjutsu bekam, als die Notwendigkeit sich gegen Gefahren zu schützen immer größer wurde, stärkere kriegerische Züge. Im Laufe der Jahrhunderte bekamen die Ninja Familien einen immer besseren Ruf als »militärische Spezialisten« und fühlten sich immer weniger verbunden mit den mystischen Lehren für die ihre Väter gekämpft hatten. Körperliche Tricks ersetzten von nun an die natürlichen Fähigkeiten der frühen Ninja-Kämpfer. Neue Kampfkünste die auf der Irreführung der gegnerischen Sinne beruhten gehörten von diesem Zeitpunkt an zum Rüstzeug der Ninja und die unsichtbaren Krieger, einst motiviert von der Liebe zu ihren Familien, wurden nun wegen ihrer Skrupellosigkeit und unbeugsamen Entschlossenheit gefürchtet.
Die Kunst des Ninjutsu wurde als militärisches Spezialgebiet von den Mystikern der Igaund Koga Gebirgsregionen in Japan entwickelt.  Ein durchtrainierter Körper, ein ruhiger, erleuchteter Geist und aktive geistige Kräfte kennzeichneten den »Ninja Agenten« aus.  Ninjutsu beinhaltete verschiedene Methoden zur Gefahrenerkennung, zum Nahkampftraining, für Spionagetechniken, für psychologische Kriegsführung und für die Entwicklung übersinnlicher Kräfte.


Die Philosophie des Ninjutsu

Die Philosophie des Ninjutsu lehrt die Einheit sämtlicher Dinge des Universums, die alle untereinander in Wechselbeziehung stehen. Da der Mensch nicht »groß« genug ist um den ganzen Kosmos zu überblicken, erscheint ihm die unendliche Zahl seiner Teile als eine Vielzahl von unabhängig existierenden Gegenständen. Um dieser Philosophie Anschaulichkeit zu verleihen betrachtet man alle Dinge unter dem Blickwinkel des In und Yo (chin. Ying und Yang) der positiven und negativen Kategorie wie etwa Licht und Finsternis, Mann und Frau, Himmel und Erde, hart und weich. Dieses Klassifikationsschema erlaubt eine Loslösung von beschränkten, absoluten Urteilen wie richtig und falsch, fair und unfair. Jede Eigenschaft einer Sache gründet ausschließlich in ihrem Verhältnis zu anderen Erscheinungen. Es ist für uns nicht einfach diese moralische Flexibilität zu verstehen oder gar zu befürworten, da sie in direktem Gegensatz zu den Theorien und Philosophien vieler anderer Kriegskünste steht. Wenn es um den Sinn seines Lebens geht legt der Ninja größten Wert auf das Globale. Die sich dauernd wandelnden Resultate sind ihm bei weitem wichtiger als die Mittel die man anwendet um sie zu erreichen.



Die Hierarchie einer Ninja Familie (Clans)

An der Spitze eines jeden Clans stand der Jonin, der »Chef« der Oberbefehlshaber. Als Krieger und Philosoph übernahm er die Verantwortung für die Familie. Das Amt des Jonin wurde innerhalb der Familie von Generation zu Generation weitergereicht. Gleich unter dem Jonin dienten die Chunin, die »Offiziere« der Familie. Sie beherrschten die Kunst des Problemlösens und kannten Stärken und Besonderheiten der Familien Mitglieder. An der Basis der Hierarchie befanden sich die Genin die eigentlichen »Ninja Agenten«. Dies waren Männer und Frauen mit einem breit gefächertem Wissen von Spionage- und Kampftechniken. Von Geburt an zum Genin erzogen erbte der Ninja von seiner Familie die Verpflichtung zu kompromißlosem Gehorsam gegenüber den Jonin. Die Kinder der Genin-Agenten begannen ihr Training sehr früh. Getarnt als Spiele machte man Sprung-, Lauf- und Gleichgewichtsübungen. Im Alter von zehn Jahren fingen sie an Nahkampftechniken und Waffenhandhabung zu erlernen. Als späte Teenager brachte man ihnen die Feinheiten der Spionage bei und gab ihnen damit den letzten Schliff für ihr Leben als Ninja. Heutzutage brauchen Ninja Familien sich nicht der Wohlgesonnenheit anderer Anzupassen. Sie müssen nicht mehr kämpfen und brauchen ihre Philosophie nicht mehr zu verteidigen. Die Kunst des Ninjutsu kann nun ihren Blick wieder auf die ursprünglichen Motivationen der Gründer richten und das System wieder als Methode betrachten, persönliche Erleuchtung und eine Harmonie zwischen Körper, Geist und Seele (jap. Sanmitsu) zu erlangen.

A.Rees und N.Becker